2025 war das Jahr der AI Agents. 2026 wird das Jahr der Aufräumarbeiten
Vor einem Jahr habe ich an dieser Stelle geschrieben, dass Governance vom Nebensatz zum Hauptthema werden würde. Ich lag richtig, aber aus anderen Gründen als gedacht. Nicht regulatorischer Druck hat das Thema nach oben gespült, sondern die schlichte Geschwindigkeit, mit der Agenten real wurden.
Das Jahr im Zeitraffer
2025 war auf der Now Platform zweifellos das Jahr der AI Agents, und zwar in drei Akten. Yokohama hat sie im Frühjahr breit verfügbar gemacht, mit Agent Studio und Orchestrator. Die Knowledge hat sie im Mai zum Zentrum der gesamten Unternehmensstrategie erklärt, flankiert von AI Control Tower und Agent Fabric. Und Zurich hat im Herbst die Werkzeuge stabilisiert, vor allem beim Testen und Beobachten, also genau dort, wo es für den Produktivbetrieb zählt.
In den Projekten hat sich der Ton entsprechend verschoben, und zwar schneller, als ich es erwartet hätte. Anfang des Jahres habe ich in Workshops noch erklärt, was ein Agent überhaupt ist und wie er sich von einem Flow unterscheidet. Im Herbst ging es in denselben Häusern um Werkzeug-Zuschnitte, Eskalationsregeln, Stichprobenprozesse und die Frage, wie man Agentenverhalten vor dem Deployment testet. Das ist ein bemerkenswerter Reifungssprung für zwölf Monate.
Was mich positiv überrascht hat
Wie schnell die nüchterne Phase kam. Der Hype-Zyklus war spürbar kürzer als bei den GenAI-Skills 2023 und 2024. Die Frage "Was bringt uns das konkret, und was kostet es?" kam dieses Jahr deutlich früher, oft schon im ersten Gespräch, und das ist gesund. Vielleicht haben die Unternehmen aus der ersten GenAI-Welle gelernt, vielleicht zwingt auch das Verbrauchsmodell zur frühen Kostenrechnung. Vermutlich beides.
Erfreulich auch: Die Governance-Diskussion wird konstruktiver. Vor einem Jahr pendelte sie zwischen "alles verbieten" und "wird schon gutgehen". Inzwischen setzt sich in den Gesprächen ein Mittelweg durch, abgestufte Autonomie nach Risiko, knappe Werkzeuge, echte Beobachtbarkeit. Nicht weil alle plötzlich weise geworden wären, sondern weil die ersten Betriebserfahrungen zeigen, dass dieser Weg funktioniert.
Was mich nicht überrascht hat
Die Datenfrage ist wieder die Achillesferse, wie bei jeder Stufe dieser Entwicklung. Ein Agent, der auf einer ungepflegten CMDB Impact-Analysen fahren soll, liefert selbstbewussten Unsinn. Dasselbe Spiel wie damals bei Now Assist und der Knowledge Base, nur mit höherem Einsatz, weil Agenten handeln statt nur formulieren. Ich ahne, dass mich dieses Thema Anfang nächsten Jahres noch einmal ausführlicher beschäftigen wird, die ersten Projekterlebnisse dazu liegen schon auf dem Schreibtisch.
Auch nicht überraschend, aber erwähnenswert: Die erfolgreichsten Agenten-Use-Cases des Jahres waren unspektakulär. Triage-Unterstützung, Anreicherung, Zusammenfassung über Systemgrenzen hinweg. Die spektakulären Demos mit durchautomatisierten Ende-zu-Ende-Prozessen blieben Demos. Das wird sich ändern, aber langsamer, als die Keynotes suggerieren.
Die Vermutung für 2026
Ich glaube, das kommende Jahr wird unspektakulärer und wichtiger. Aufräumarbeiten, im besten Sinn.
Datenmodelle geradeziehen, damit Agenten auf verlässlichen Grundlagen arbeiten. Die Agenten-Portfolios konsolidieren, die in der ersten Begeisterung entstanden sind, denn nicht jeder der fünfzehn Piloten verdient den Produktivbetrieb. Verantwortlichkeiten und Betriebsprozesse festziehen. Verbrauchskosten in den Griff bekommen, bevor das Controlling es tut.
Das klingt nach weniger Aufbruch, ist aber das Gegenteil. Die Unternehmen, die 2026 für diese Konsolidierung nutzen, werden 2027 einen Vorsprung haben, der sich nicht mehr leicht aufholen lässt, weil er nicht in Lizenzen liegt, sondern in Daten, Prozessen und eingeübten Routinen. Technologie kann man kaufen, Reife nicht.
Es bleibt also genug zu tun. Erholsame Feiertage, danke fürs Lesen in diesem Jahr, und wie immer gilt: Finger weg von Prod zwischen den Jahren.
Über den Autor
Abbes Ghaddar
Abbes Ghaddar ist ServiceNow Certified Technical Architect (CTA) und schreibt hier über die Now Platform, Conversational AI und den verantwortungsvollen Einsatz generativer KI im Unternehmen.
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