Knowledge 2025 Nachlese: AI Control Tower, Agent Fabric und viel Agentic AI
Die Knowledge ist immer ein guter Gradmesser dafür, wohin ServiceNow steuert. Dieses Jahr brauchte man dafür nicht einmal zwischen den Zeilen zu lesen: Agentic AI war das Wort der Woche in Las Vegas, in praktisch jeder Keynote, jeder Demo und jeder Produktankündigung. Ich war nicht vor Ort, habe aber die Keynotes und etliche Sessions aus der Ferne verfolgt und mir die Ankündigungen im Detail angeschaut. Drei Themen halte ich für wirklich relevant, und sie hängen enger zusammen, als es auf der Bühne wirkte.
AI Control Tower: Governance wird Produkt
Für mich die wichtigste Ankündigung, gerade weil sie unspektakulär klingt: ein zentraler Ort, an dem Unternehmen ihre KI-Modelle und Agenten sehen, steuern und auditieren können, ausdrücklich auch solche, die nicht von ServiceNow stammen.
Warum das zählt, versteht jeder, der schon einmal versucht hat, einem Auditor oder einem Betriebsrat zu erklären, welche KI wo im Unternehmen was entscheidet. Die ehrliche Antwort lautet in den meisten Häusern: Wir wissen es nicht genau. Es gibt die offiziellen Initiativen, dazu Copiloten in der Office-Umgebung, eingebettete KI in Fachanwendungen und eine Grauzone aus Eigenbauten. Mit jeder Agenten-Generation wächst diese Landschaft weiter.
Dass der Plattform-Anbieter dieses Inventar- und Steuerungsproblem als Produkt adressiert, ist folgerichtig und überfällig. Governance wandert vom Foliensatz in die Werkzeugebene, und das verändert auch die Projektgespräche: Die Frage "Wie behalten wir den Überblick?" bekommt eine konkrete Antwort statt eines Verweises auf künftige Richtlinien.
AI Agent Fabric: die Schaltzentralen-Wette
Die zweite große Linie: ServiceNow positioniert sich als Ort, an dem auch fremde Agenten und Werkzeuge andocken, Stichwort Interoperabilität zwischen Agenten verschiedener Hersteller, gemeinsam mit Partnern aus dem gesamten Ökosystem.
Strategisch ist die Botschaft unmissverständlich. Der Wettbewerb dreht sich nicht mehr um einzelne KI-Features, die gleichen sich zwischen den Anbietern ohnehin schnell an. Er dreht sich darum, wer die Kontrollebene stellt, auf der die Agenten eines Unternehmens zusammenarbeiten. Wer diese Ebene besitzt, besitzt die wichtigste Integrationsschicht der nächsten Jahre.
Ob die Interoperabilität im Alltag so reibungslos funktioniert wie in der Demo, wird man sehen, gerade bei Agenten verschiedener Hersteller mit unterschiedlichen Sicherheitsmodellen bin ich gespannt auf die Details. Aber die Richtung ist plausibel, und für Kunden ist sie eher gut: Sie verringert das Risiko, sich mit der Agenten-Strategie an einen einzigen Anbieter zu ketten.
Workflow Data Fabric: das Fundament unter allem
Das dritte Thema lief etwas im Schatten der Agenten-Schlagzeilen und ist für die Praxis mindestens so wichtig: der Zugriff auf Daten außerhalb von ServiceNow, ohne sie zu replizieren, über Zero-Copy-Anbindungen an Data-Platform-Anbieter.
Der Zusammenhang mit den Agenten liegt auf der Hand, wurde aber selten ausgesprochen: Agenten sind nur so schlau wie die Daten, an die sie herankommen. Ein Triage-Agent, der nur die Tickets sieht, kann weniger als einer, der auch Telemetrie, Bestandsdaten und Geschäftskontext einbeziehen kann. Wer agentische Automatisierung ernst meint, braucht eine Antwort auf die Datenfrage, und Replikation in die Plattform hinein skaliert weder technisch noch kommerziell. Diese beiden Ankündigungen gehören zusammen gedacht.
Was ich Kunden jetzt rate
Mein Gesamteindruck: Die Bausteine, mit denen wir seit Yokohama experimentieren, fügen sich zu einem Bild. 2023 und 2024 ging es darum, was generative KI formulieren kann. Jetzt geht es darum, was sie tun darf, auf welchen Daten, und wer den Überblick behält.
Konkret heißt das für die nächsten Monate: erste Agenten-Use-Cases klein und lesend pilotieren, die eigene Datenlandschaft ehrlich bewerten, und die Governance-Struktur jetzt aufsetzen, solange die Agenten-Zahl noch überschaubar ist. Wer wartet, bis dreißig Agenten in Produktion sind, räumt hinterher auf. Das ist die richtige Diskussion zur richtigen Zeit, und sie kommt keinen Tag zu früh.
Über den Autor
Abbes Ghaddar
Abbes Ghaddar ist ServiceNow Certified Technical Architect (CTA) und schreibt hier über die Now Platform, Conversational AI und den verantwortungsvollen Einsatz generativer KI im Unternehmen.
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